Nicht tot…

30. November 2008

… aber schon seit langem gabs nichts mehr zu lesen. Das liegt keinesfalls an den Lesern, viel mehr am Schreiber: seitdem die Computernutzung arbeitstechnisch auf ein recht hohes Maß angestiegen ist, hab ich am Abend einfach keinen Bock mehr, was in die Kiste zu hämmern. Außerdem kommen immer mehr nette Kontakte vor Ort dazu, die mich dann immer wieder abgelenkt haben: Backpacker, die im gleichen Gästehaus unterkommen, Expats auf “Dienstreise” nach Burma, Freunde bei einem Thailandbesuch und und und auch noch ein zweites Fahrrad: diesmal ein Mountainbike, mit dem ich in der jetzt trockeneren Jahreszeit gern auch länger unterwegs bin.

Bitte verzeiht mir – ist nicht zuletzt auch ein Zeichen von Entschleunigung, der ich auch immer wieder mal eine Chance zu geben versuch…

Ben

beim-radeln

… doch der zweite folgt sogleich

5. September 2008
Geliebte Saika

Saika

Hier kommt nun die Auflösung des ganzen;). Doch wie alles der Reihe begann, ist im neuen Fotoalbum zu sehen. Saika ist der landläufige Ausdruck für diese Art Taxifahrrad – vom englischen “Sidecar” = Beiwagen aus Kolonialzeiten kommend. Doch “Saika” hat noch eine andere Bedeutung: im russischen “Häschen”, oft als liebevolle Bezeichnung der Partnerin verwendet;)

Endlich soweit (:-)

4. September 2008

Jetzt kann ich fast wie in gewohnter Weise unterwegs sein. Mit dem Fahrrad natürlich! Zwar auf einem ganz anderen Niveau wie gewohnt, insbesondere bremstechnisch, wenn man die Lasten bedenkt, die die stabile Bauweise und insbesondere der Gepäckträger zu schleppen in der Lage ist. Alles Made in Asia, wenn auch die altbekannte englische Marke “Raleigh” den Rahmen ziert, die wohl zu Kolonialzeiten Pate stand. Dieses ist der erste Streich…

die Neue

die Neue

Es bewegt sich was

28. August 2008

Auch wenn ich schon ein paar Tage nichts mehr neues hab von mir hören lassen, bedeutet das keinesfalls was schlimmes – im Gegenteil: andere Beschäftigungen haben neben der Arbeit meine Zeit in Anspruch genommen, die ich sonst auch gern hier verbracht hätte. Und weil sie heute ebenso knapp ist, gestatte ich nur mal einen kurzen Blick auf das gewesene & kommende…

ohne Worte;)

ohne Worte;)

Klänge & Bilder

17. August 2008

Gestern hab ich mich vergeblich bemüht, meinem Traumfahrrad einen Schritt näher zu kommen. Nach schwierigen Verhandlungen zum Erwerb eines gebrauchten dieser Art musste ich mich ein wenig enttäuscht doch wieder der neuen Variante zuwenden. Da diese aber nur auf Bestellung produziert und zusätzlich Vorkasse erhoben wird, habe ich mich schon mal ausführlich in die möglichen Bauweisen eingeguckt… Hoffentlich klappt es diese Woche, nachdem ich am Freitag die gute Nachricht über ein neues Visum für einen Monat erhielt – nach der bisherigen Zweiwochenabspeisung immerhin nicht übel.

Abends bin ich noch lang durch die kleinen Gassen und breiten Straßen meines Viertels gestreift. Es ist eine angenehm gelassene Lebensart hier. Bis in die Nacht hinein sieht man immer wieder Jugendliche mit Gitarre und Gesang am Straßenrand oder im Park sitzen. Bis elf hab ich mit zwei Jungs auf winzigen Plastikschemeln gehockt und den Melodien gelauscht…

Jetzt klappt es auch mit der Google Software beim Bilderhochladen: siehe rechts:)

Eifersüchtig!?

Auf dem Weg zur Arbeit…

15. August 2008

…gibt es immer wieder interessantes zu entdecken. Das Hotel, mit dem ich mich immer noch begnügen, d.h. von dem ich mich immer noch verwöhnen lassen muss – was hoffentlich nicht abhängig macht -, ist eine knappe halbe Stunde Fußweg vom Büro der Hilfsorganisation ADRA entfernt. Per Taxi in 10 min. und für 1500 Kyat (sprich Tschat), einen knappen Euro, zu erreichen. Doch dafür mit extrem eingeschränktem Erlebnishorizont. Eine zweite Möglichkeit ist das dreirädrige Fahrradtaxi, eine geniale Erfindung, auf die ich später noch eingehen werde…

Zu Fuß ist es meiner Meinung nach aber vor einem sitzreichen Tag am ansprechendsten. Da kann man dann am halb acht in die vielen kleinen Straßencafe´s und -stände schauen und den einen oder anderen netten Blickaustauschen. Die lokale Kost ist zwar nicht immer meine Leibspeise, doch die Varianten der Zubereitung und Präsentation dafür durchaus fotogen. Mit mir sind jeden Morgen die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu Schule: standardmäßig in grün-weiß und mit kleiner dreiteiliger runder Brotbüchse bzw. Essnapf, den Brot gehört hier zu nicht zum Speiseplan und wenn, dann nur in kolonialer Ausprägung. Da diese auf Briten zurückgeht, freut sich der deutsche Gaumen nur begrenzt über das weiße Leichte… Neben den lieben Schülern ist natürlich noch eine Menge anderer Leute und unter ihnen eine erhebliche Zahl Uniformierter unterwegs, traditionell größtenteils auch zu Fuß (Beleibte gibt´s hier kaum) oder eben mit dem Fahrrad. Die ganze Stadt ist eigentlich schon auf den Beinen und mit ihr jede Menge vierbeinige Gesellen, die in Burma einen außergewöhnlichen Status besitzen: die Straßenhunde.

Eigentlich das falsche Wort für diese respektablen Wesen, deren Blick selbst sich schon deutlich von deren Mitgenossen anderer Erdteile unterscheidet. Stolz und selbstsicher liegen, stehen oder treten sie vor Vorbeifahrende hin, als ob ihnen ein Wegezoll zusteht. Durch vieles Bellen muss man sich hier auch nicht herabwürdigen, zumindest nicht am Tag. Dafür umso mehr nachts und dann im Chor! Beißen braucht man ebenso nicht, denn das Essen bekommt man als Mitglied der buddistischen Lebensgemeinschaft abends auf einer Zeitung am Straßenrand serviert. Ich war sehr verwundert und zugleich berührt, als ich eines Abends nach der Arbeit im Dunkeln zurückkehrte und am Straßenrand ein Zeitung mit einem Häufchen Reis neben der anderen liegen sah…

So geht es vorbei an kleinen armseligen Hütten neben Hochhäusern mit Schaufenstern und Werbung, die dem Westen nicht weit nachsteht über vertretsichere Fußwege und bepfützte Straßenränder vorbei einer Festung hinter Beton und Stacheldraht und einem Bild mit Kremltürmen drauf – die russische Botschaft – über ein paar Kreuzungen mit deutlich erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf bis wieder in einen Slum hinein, neben dem sich das Büro in einem feinen Hochhaus befindet…

Der Staßenverkehr respektiert Fußgänger generell in akzeptablem Maße, was wegen des technisch fragwürdigen Zustands vieler zumindest äußerlich noch aus Kolonialzeiten stammenden Vierrädrer auch angemessen ist. So erreiche ich in der Regel kurz vor acht das Office – leicht feucht, denn wenn einen nicht der erste Regen erwischt hat, so ist es der erste Schweiß. Und darüber hinaus viele Blicke neugieriger Jungs und Mädels aber auch Erwachsener, die aufgrund der doch noch relativ geringen Anzahl von Ausländern verstehbar werden…

stadtrundblick

Hab hier ein Video eingefügt. Einfach mal auf den Link oben klicken…

Bekannte Gesichter…

11. August 2008

Wie ähnlich sich doch die Jugendszene selbst in Militärdiktaturen entwickelt. Verbindend und erschreckend zugleich! Ein Foto von einem kurzbesuch im Park der Stadt am Sonntagnachmittag…

Die erste Woche

10. August 2008

… ist nun fast rum und ich habe mich tatsächlich schon ein wenig eingelebt. Das Wetter war die letzten Tage ungewöhnlich kalt – d.h. für mich angenehm – und nassss. Doch wenn einem mal ein warmer Regen Kopf und Rücken besprengt, habe ich eigentlich nichts dagegen einzuwenden.

In die Arbeit finde ich mich auch immer weiter hinein. Die Projekte, für die ich zuständig bin, kenne ich mittlerweile in den Grundzügen und auch die dazugehörigen Probleme und Problemchen. Vieles, was in Deutschland als Problem gehandelt wird, darfst du hier maximal als Problemchen betrachten, sonst würde man schnell einen Nervenzusammenbruchz erleiden: angefangen von Visaschwierigkeiten, die, erfolgreich ausgehandelt, noch lange keine Bewegungsfreiheit innerhalb des Landes bedeuten – jeder größere Fußtritt will hier bei Vater Militärstaat beantragt werden… Weiter geht es mit dem Internetzugang (meine Meinung bezüglich Hackern hat sich seitdem ein wenig gewandelt) und manchen Kommunikationsschwierigkeiten, da ich des Burmesischen (noch) nicht mächtig bin und viele Burmesen des Englischen nur in Ansätzen. Auch auf Projektebene wird hier anders ge- und verhandelt: Zeitpläne werden oft zu Wunschträumen, da manche der neureichen regionalen Kriegsfürsten ihre bettelarme Bevölkerung mit anderen Aufgaben beschäftigt halten, als an einem Hilfsprojekt zu partizipieren. Erdrutsche und andere Zwischenfälle größerer und kleinerer Art bergen immer wieder unvorhergesehene Wendungen und vom Thema Finanzen sollte man lieber gar nicht anfangen zu reden. Das fängt mit einer Inflationsrate für über 30% im vergangenen Jahr an, geht weiter über eine Zwischenwährung, eingerichtet zum – natürlich unausgesprochenen – Zweck einer “günstigeren” Beeinflussung des Wechselkurses, der seit dem Zyklon Nargis sehr viel stärker nachgefragt wurde und seitdem auch um mehr als 20% gefallen ist… Also reist der risikobereite Helfer in Abständen nach Thailand aus und kehrt kurze Zeit später mit manchmal mehr als zigtausend Dollars umgürtet wieder nach Burma zurück! Enden tuen Finanzgeschichten dieser Art nicht so bald; irgendwo finden sich leider auch in und um Projekte Löcher und Ritzen oder haben sich schicke Wagen im dichten Nebel manchen Kassenstraßen verirrt… Bewiesen ist natürlich nichts und kann auch so leicht nicht werden, da jeder jeden schon lange kennt. Ach ja – die Projekte hätte ich jetzt fast vergessen:

Meine Aufgabe besteht für die kommenden sechs Monate in der Überwachung (Monitoring bzw. Supervision) der Projekte, die von der Hilfsorganisation ADRA (www.adra.de) in Myanmar zur Zeit durchgeführt werden. Das ist ein Katastrophenhilfsprojekt zum Bau von Brücken und Bootsanlegestellen im Ayeyardwaddy-Flußdelta im Süden des Landes (begonnen nach dem Tsunami und nach dem Zyklon Nargis erweitert). Ein zweites Projekt findet im Nordosten statt mit dem Ziel, die Wasserversorgung und Hygiene (Sanitäranlagenbau) zu verbesserrn, verbunden mit Ausbildung der Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Darüber hinaus bin ich für die Entwicklung und Planung neuer Projekte zuständig: Im kommenden Jahr soll z.B. ein von der EU finanziertes und von ADRA durchgeführtes Projekt zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung im Nördlichen Shan Bundesland beginnen – nach dem Verbot des Opiumanbaus durch die Regierung sind viele Bauern verarmt und auf Hilfe angewiesen…

Leider ist dieser Job mit einer großen Bewegungsarmut verbunden, weshalb ich mich entschlossen habe, ein Fahrrad zu kaufen – bisher bin ich entweder zu Fuß oder mit dem hier recht günstigen Taxi unterwegs. Doch darüber mehr beim nächsten Mal. Auf jeden Fall dürft ihr euch auf eine Überraschung gefasst machen. Wie sollte es auch anders sein bei für mich schön(st)en & wichtig(st)en Dingen;). Das Unterwegssein in der Stadt selbst bei Nacht ist hier bemerkenswerterweise kaum mit Sicherheitsrisiken verbunden – eine angenehme Seite von Diktaturen.

Kurz zu erwähnen wäre vielleicht noch die Noblesse meines Hotels, die ich auch nach hoffentlich nicht allzu langer Zeit verlassen darf (auch nur in politischer Grauzone) – wozu braucht der ruhebedürftige Mensch Teakholzmöbel auf Teakholzböden, eine grippedrohende Klimaanlage, einen nervenden Fernseher und viele liebe aber manchmal doch nicht unbedingt nötige Hände um sich herum? Eigentlich wollte ich mich nicht wie ein Kolonialist fühlen – sorry, ein Gast natürlich – und so suche ich gerade ein kleineres, einfacheres und somit auch billigeres illegales Kämmerchen…

Fotos kann ich leider nicht auf meiner meiner Seite bei Flickr hochladen (ist von der Stasi hier blockiert); dafür versuch ich es die nächsten Tage mal auf einer anderen…

Angekommen.

3. August 2008

In Rangun. Der Haupstadt von Burma, Birma, Myanmar – es ist immer dasselbe Land damit gemeint. Der Flug lief soweit gut, bis auf die gelegentlichen Unebenheiten in der Luft, die ich nicht besonders mag… Gerade ist Regenzeit angesagt: 30-35° bei einer Luftfeuchte von fühlbaren 80%! Also immerwährende Feuchtigkeit und – auch an diesem Teil der Welt ist die Entwicklung nicht stehengeblieben – die immerwährende Gefahr von Erkältungen dank der Klimaanlagen! Die Menschen hier sind auf den ersten Eindruck sehr freundlich und zuvorkommend, auch das ADRA-Team, dass ich gleich nach meiner Anreise begrüßen durfte. Jetzt such ich mir erst mal ein Zimmer und hole noch ein paar Stunden fehlenden Schlaf nach…

letzte Vorbereitungen in Weiterstadt

letzte Vorbereitungen in Weiterstadt

PS: Der Zugang zum Internet gestaltet sich nicht nur in Turkmenistan und Iran schwierig; auch in Burma sind viele Webseiten gesperrt und die Herunterladen von Mails auf den Computer ist mir noch nicht gelungen:(